Dornbusch ist (k)eine Baustelle Anwohner und Ortsbeirat ärgern sich über Straßenzustand und brachliegende Grundstücke
Dornbusch. Kopfsteinpflaster, Löcher in der Straße, viel Verkehr und Billigläden neben brachliegenden Grundstücken. Längst sind die Anwohner von dem Anblick am Dornbusch genervt. Sie fordern: Kümmert Euch endlich um unsere Straße!
Wenn Norbert Schneider aus seinem Laden «Vino e Pane» auf die Straße schaut, gefällt ihm nicht, was er sieht. Die Straße ist völlig kaputt, Baulücken und Billigläden stören das Bild, es ist laut. «Eigentlich ist das hier eine gute Adresse, direkt neben dem Dichterviertel. Da wünsche ich mir einen repräsentativen Anblick. Damit ich sagen kann: Hier fühle ich mich wohl.»
Doch seit Jahren ändere sich nichts am desolaten Bild, das die Straße Am Dornbusch biete. So bald wird sich nach Recherchen der Frankfurter Neuen Presse daran auch nichts ändern. Die Planung zur Sanierung des Straßenbelags beginnt gerade erst. Und auch die umliegenden Bauprojekte lassen noch ein wenig auf sich warten.
«Wo früher an der Einmündung der Hansaallee das Motorradgeschäft war, ist seit Jahren ein Loch. Enten brüten dort und Frösche quaken. Aber gebaut wird dort nicht», sagt Schneider. Die Straße Am Dornbusch sei alles andere als schön, findet auch seine Nachbarin Tina D‘Andrea, Inhaberin des Friseursalons Tina. «Billiggeschäfte wie die beiden Matratzenläden stören. Ein schönes Cafe hingegen gibt es weit und breit nicht.» Dabei könnte die Straße zwischen Eschersheimer Landstraße und Platenstraße ein blühendes, eigenständiges Zentrum des Stadtteils sein. «Von den Geschäften an der Eschersheimer Landstraße sind wir etwas abgehängt.»
Zufahrt fehlt
Was genau auf dem Grundstück des früheren Kawasaki-Händlers passiert, der im Januar 2008 wegzog, ist nur ansatzweise bekannt. Gegenüber der Frankfurter Neuen Presse wollte der in Bad Soden-Salmünster ansässige Investor sich jetzt nicht zu dem Bauprojekt äußern. Im Gespräch mit FDP-Ortsbeiratsmitglied Klaus Funk kritisierte er jedoch die Stadtverwaltung, die ihm Hindernisse in den Weg lege. «Offenbar ging es darum, dass ihm keine Baustellenzufahrt zum Grundstück genehmigt wurde. Auch gab es Diskussionen um eine Litfaßsäule an der Kreuzung Hansaallee/Am Dornbusch, die im Weg stand. Aber das sei inzwischen geklärt.» Dass der Investor, wie angekündigt, bald mit dem Bau des Wohn- und Geschäftshauses beginnt, glaubt Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) hingegen nicht. «Bis jetzt liegt die Baugrube brach. Es passiert nichts.»
Ein anderes Sorgenkind der Anwohner erhebt sich auf der Rückseite des Areals zwischen Platenstraße, Hansaallee und Am Dornbusch: Das Hochhaus des Zolls mit seinem verwahrlosten Garagenhof. Dort will die Goethe-Universität zwei Wohnheime bauen, sagt Peter Rost, Baukoordinator der Universität. «Zunächst ein Haus mit Wohnungen für Zoll- und Bundesbeschäftigte.» Deren jetziges Wohnhaus auf dem Campus Westend nördlich der Lübecker Straße müsse dem Ausbau des neuen Uni-Areals weichen. Dort soll unter anderem die neue Zentralbibliothek entstehen. «Der Bauantrag für die 200 neuen Zoll-Wohnungen am Dornbusch ist bereits gestellt», sagt Rost. Innerhalb eines halben Jahres begännen die Arbeiten. «Wir rechnen mit anderthalb bis eindreiviertel Jahren Bauzeit.»
Direkt nebenan ist ein Studentenwohnheim geplant, sagt Rost. «Der Architekten-Wettbewerb ist bereits abgeschlossen. Gebaut wird, sobald das Studentenwerk das Geld dafür hat.» Rund 200 Studenten sollen hier in 20 Quadratmeter großen Ein-Zimmer-Appartements leben. «Das Haus wird drei- bis vierstöckig.» Unter dem Gelände entstehe eine Tiefgarage mit 200 Stellplätzen, sagt Rost. Das sei zu wenig, findet Hesse. «Fast jeder Student hat heute ein Auto. Auch wenn es fast die ganze Woche stehen bleibt: Irgendwo müssen die Fahrzeuge hin.»
Beschluss 2011
Auf sich warten lässt hingegen weiter die Sanierung der maroden Straße Am Dornbusch. «Das Kopfsteinpflaster ist sehr laut. Öffnet man die Ladentür, kann man sich nicht mehr unterhalten», sagt Schneider. Seit Jahren kämpfe der Ortsbeirat für die Sanierung, sagt Hesse. «Aber sie wird immer wieder verschoben. Andere Projekte werden immer wieder vorgezogen.» Die Vorplanung für die Straße sei fast fertig, sagt Verkehrsdezernats-Sprecher Ingmar Bolle. Im nächsten Jahr werde sie dem Stadtparlament zur Entscheidung vorgelegt. Wie lange die weitere Planung dauere, hänge von politischen Entscheidungen ab.
Wünsche, wie die Straße künftig aussehen soll, haben auch Geschäftsleute wie Schneider. «Wir brauchen dringend zwei oder drei Parkplätze als Ladezone.» Die vierspurige Straße solle auf zwei Spuren reduziert werden, das Kopfsteinpflaster verschwinden. «All dies kann in die weitere Diskussion der Planung einfließen», sagt Bolle.
Artikel vom 29. Dezember 2010, 21.40 Uhr (letzte Änderung 30. Dezember 2010, 04.03 Uhr)
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