Alte Leuchte, neue Technik Bürgerinitiative Dichterviertel kämpft für Erhalt nostalgischer Gaslaternen
Etwa 550 alte Gaslaternen gibt es heute noch im Stadtgebiet. Eine Bürgervereinigung im Dornbusch setzt sich dafür ein, die nostalgischen Leuchten zu erhalten und mit moderner Technik auszurüsten.
Dornbusch.
Die Anwohner schätzen das Licht der alten Lampen und ihr Flair. Dass moderne Technik und romantische Atmosphäre gut zusammen passen können, demonstriert eine umgebaute Laterne in Bockenheim. Die Veränderungen sind außen unscheinbar, fast nicht zu erkennen. Und doch steckt unter dem nostalgischen Deckel der grünen Bogenlampe in einem Innenhof modernste Technik. Mit Solar- und Photozellen ist sie auf dem neuesten Stand.
Vom Bürgersteig aus deutet lediglich eine kleine, weiße Kappe am äußeren Rand der Laterne auf die Modernisierung hin. In der steckt die Photozelle, die den Lichteinfall misst und bei Dunkelheit den Zündfunken frei gibt. Mehr als ein Jahr ist es her, dass die Bewohner im Eigentümerbeirat des Hauses in der Konrad-Broßwitz-Straße beschlossen haben, den Schritt in die Zukunft zu wagen.
Zuverlässig
Der Vorsitzende des Eigentümerbeirats, Herbert Gernhardt, zieht ein positives Fazit: «Wir sind sehr zufrieden mit der Technik.» Das habe mehrere Gründe. «Die Lampe ist sehr wartungsarm, wir hatten noch keine Probleme mit der Technik, und teuer war die Umrüstung auch nicht», führt Gernhardt die Vorteile aus. Die Materialkosten haben lediglich zwei- bis dreihundert Euro betragen. Dafür steuert sich die Lampe nun selbst, verbraucht wenig Energie und ist zuverlässig. «Wenn der Zündfunke mal nicht überspringen sollte, erfolgt automatisch ein zweiter Versuch. Funktioniert es dann immer noch nicht, schaltet sich die Gaszufuhr automatisch ab, und es wird erst am nächsten Tag wieder probiert», erklärt Gernhardt. Eingetreten sei das aber noch nicht. Die moderne Gaslaterne verströme zuverlässig ihr warmes Licht, ebenso wie ihr Pendant auf der anderen Seite des Innenhofs, die allerdings noch nicht umgerüstet wurde. Die alte Laterne brenne weniger schonend für die Bauteile in der Brennkammer und brauche zudem noch eine Batterie für den Zündfunken. «Bei der modernen Variante kommt die Energie für den Zündfunken von einer Solarzelle», erklärt Gernhardt.
Unterschriftenliste
Das beeindruckt auch die Mitstreiter der Bürgervereinigung Dichterviertel im Dornbusch. Anwohner in der Anzengruberstraße etwa kämpfen seit Jahren mit Unterschriftenlisten für den Erhalt «ihrer» Laternen. Sie wollen das warme Licht in den Abendstunden nicht missen und befürchten, das Ambiente im historischen Viertel würde durch moderne Elektroleuchten verloren gehen. Zudem sei die Straße erst vor wenigen Jahren saniert worden, ein erneuter Aufriss, um Stromkabel zu verlegen damit unsinnig und kostenintensiv. So oder so ähnlich ergeht es vielen Frankfurtern. Rund 550 alte Gaslaternen aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts sind noch im Stadtbild vorhanden. Auch bundesweit haben sich Bürger zusammengeschlossen, um für den Erhalt der charmanten Gasleuchten zu kämpfen.
In Frankfurt prallten Befürworter und Gegner der Gaslaternen im Jahr 2009 aufeinander, nachdem die Stadt die Laternen austauschen wollte. Was folgte, war ein Moratorium, das bis heute besteht. Eine Lösung ist noch nicht gefunden. Einige Politiker haben sich allerdings inzwischen auf die Seite der Befürworter geschlagen. «Die Gaslaternen machen einfach ein schöneres Licht als Elektrolampen», befand etwa CDU-Fraktionschef Helmut Heuser bei einem Rundgang durch das Dichterviertel und setzte sogleich seinen Namen auf die Unterschriftenliste, mit der die Anwohner für die Erhaltung kämpfen. In Berlin verrichten bereits seit Jahren mit moderner Technik aufgerüstete Gaslaternen ihren Dienst. Die Gaslaterne aus dem Bockenheimer Innenhof könnte also durchaus auch für die übrigen Frankfurter Laternen Pate stehen. |